Fragmente

 
 
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Die Kraft der Musik

"... Maiwald verabschiedete sich und ging zu seinem Wagen. Er setzte sich hinein und aktivierte seinen MP3-Spieler, den er mit äußerster Hingabe mit „seiner“ Musik bestückt hatte. Er stellte ihn auf die Wiedergabeliste „Nick Drake“ und startete den Song „Road“. Dann fuhr er los.


Wann immer er dieses Lied hörte, fiel ihm ein Satz ein, den er viele Jahre zuvor in einer Andres-Novelle gelesen hatte und der ihn seitdem nicht mehr losließ. Er lautete: „Aber wie traurig wäre die Welt ohne die Schwermut aus unstillbarer Sehnsucht!“ Diese Überzeugung hatte es dem Polizisten angetan. Im tiefsten Inneren seiner Seele war der sonst so rational und akribisch ermittelnde Maiwald ein Melancholiker.


Musik war für Maiwald während seines gesamten Lebens von eminent wichtiger Bedeutung. Er vergötterte den Jazz von Miles Davis und den Soul von Marvin Gaye, mit zunehmendem Alter jedoch entdeckte er die Klassik. „Entdecken“ bedeutete dabei für Maiwald Arbeit. Er las sich ein und er hörte konzentriert das Gesamtwerk von ihn interessierenden Komponisten von A bis Z. Selbstverständlich führte sein Weg über Bach zu den Wiener Klassikern. Die reife Verspieltheit der Hayden-Sinfonien, die lebendige Leichtigkeit mozartscher Virtuosität und die wuchtig gesetzten Tonbilder Beethovens erarbeitete Maiwald sich im wahrsten Sinne des Wortes. Sein musikalisches Ohr war äußerst begierig. Manchmal nahm er sich eine Woche Urlaub, packte seinen frisch und voll bestückten MP3-Spieler - gefüllt mit dem Gesamtwerk eines Komponisten - plus dazugehöriger Biografien ein und zog sich zurück in eine kleine Pension an der Ostsee, um sich völlig und ungestört seiner Passion hinzugeben. So ließ er die unerträgliche Welt der Mörder und Totschläger hinter sich, um sich in der Erfahrung von Musik zu regenerieren. Er unterbrach seine Aneignungsarbeit nur, um zu essen und für ausgedehnte Spaziergänge am Meer. Seine Kollegen hielten ihn für verschroben und er sie für Unterhaltungsopfer.


Noch bedeutender war die Musik allerdings für Maiwald im Laufe seines Lebens geworden, wenn sie gefühlsmäßige Authentizität besaß. Dann trat sogar das Genre in den Hintergrund und Maiwald genoss sie als die direkteste Ansprache an seine Seele. So empfand er, als er zum ersten Mal Klavierkompositionen von Enric Granados hörte. Viel später las Maiwald vom tragischen Ende des Klaviervirtuosen, der 1916 bei dem Versuch seine Frau vor dem Ertrinken im Ärmelkanal zu retten, mit ihr zusammen ertrank. Ihre Fähre war von einem deutschen U-Boot torpediert worden. Maiwald glaubte seitdem, in den wellenartigen Klavierläufen seiner Musik, den Todeskampf des Komponisten herauszuhören, so authentisch wirkte die Musik auf ihn und immer noch lief ihm jedes Mal ein Schauer der Erregung über den Rücken, wenn er diese Werke hörte.


Auch und gerade während seiner DDR-Zeit war Musik für Maiwald die einzige Möglichkeit gewesen, sich eine emotionale Parallelwelt zu erschaffen. In die tauchte er stets dann ab, wenn er ganz bei sich sein wollte und die wirkliche Welt so gar nicht in seine Ordnung passte. Musik ermöglichte Maiwald dann die Gefühle zu erfahren, die anderweitig zu erlangen, ihm seine Lebensumstände verwehrten. Glücklicherweise hatte er einen nahezu gleichaltrigen Cousin im Westen, der seine Leidenschaft teilte. Dieser hatte ihn regelmäßig über eine neutrale Adresse mit Tonträgern und Fachzeitschriften versorgt. Dadurch verfügte Maiwald über eine vorzügliche Musiksammlung, die es im Laufe der Jahre auf einen sehr ansehnlichen Umfang gebracht hatte. Anfänglich auf LPs und Kassetten, dann später CDs und neuerdings nur noch als MP3-Dateien. Er genoss die dadurch entstandene Verfügbarkeit von Musik unendlich. Maiwald hörte praktisch in jeder Lebenslage „seine“ Lieblingsmusik.

Wenn er auch lernen musste, ohne Frau sein Dasein zu bewältigen, ohne Musik hingegen wäre er zumindest psychisch nicht mehr am Leben, davon war der Hauptkommissar fest überzeugt. Und darum hatte er eine Unmenge an Geld dafür ausgegeben, seine gesamte Wohnung mit einem Audiosystem auszustatten, das es ihm ermöglichte, in jedem Zimmer Musik in sehr guter Klangqualität wahrzunehmen..."

Gebrauchsanweisung

Das Telefon machte sich bemerkbar mit einem Ton, den man nicht mehr als „Klingeln“ bezeichnen konnte. Rienau hatte sich schon seit Wochen vorgenommen, die Gebrauchsanleitung der neuen Telefon- und Internetanlage zu befragen, wie man ein erträglicheres Anrufsignal aktivieren konnte. Aber schon die Lektüre des aus dem Chinesischen übersetzten Gebrauchstextes war ihm zuwider. Kein Wort passte in diesem Dokument der Sprachverballhornung zum anderen. Tempus, Genus Verbi und Modus befanden sich im Kriegszustand, der jedes Verb vergewaltigte und jeden Leseversuch vorzeitig beendete. Das Verhältnis der Substantive zum regulären Kasus-System konnte nur, als von einem Zufallsgenerator erstellt interpretiert werden. Folglich überraschte es nicht, dass Rienau beim Versuch verstehen zu wollen, regelmäßig in einen hermeneutischen Brummkreisel geriet, was ihn konsequent vergrätzte. So beließ er den werkseitig eingestellten Ton mürrisch.

Gedichtetes

DEN VIELEN SEELEN

Einzig und allein wirkt noch das Gift.
Sein Fühlen meint nur Kälte.
Sein Name gleicht der Grabinschrift
und sein Besuch sind Staatsanwälte.

Kein Frühlingslicht erreicht sein dunkles Zellengrab,
als Selbstschutz lebt er vorgesetzten Schein,
und jede Freude prallt am trüben Wesen ab,
flieht schnell dem sinnentleerten Sein.

Der Weg verlief durch eine blutgetränkte Blendergasse,
in der das Menschsein längst verschieden ist.
Sein Denken gleicht amorpher Masse,
die kaum gequollen, just von kleinster Wut zerrieben ist.

Was ihm noch bleibt, ist Nichts - nur Nichts …

 

BETRACHTUNG

Wenn Bäume steil aufwärts in den Himmel ragen,
wo Vögel Körper fein durch Lüfte tragen,
und Sonnenlicht vom Wärmsten uns berührt,
find‘ ich mich von Unendlichkeit verführt.

Erst dann seh‘ ich, wie eng und blind,
die langen Wege vieler Narren sind.
Wenn einsam leergelebt und fern von jedem Ziel,
sie fest gefangen sind im nicht gewollten Spiel.

Und plötzlich seh‘ ich die, die viel zu viel und viel zu früh
gegangen sind. - Sie sind perdu.
Doch ihre Spuren mahnen laut und still,
ein unbeschreibbares „Ich will“.

 

BLICK ZURÜCK IN LIEBE

Wie in sich wirbelnd arg verfangen,
der Jugend Liebe längst vergangen,
So sehe ich uns vor dem Ende.

Ich fasse Haar und taste Hände.
Bald fang‘ ich einen gut versteckten Blick.
Ich schau mich um und dann zurück.

Wo ist sie nur, die Zeit der leichten Melodien,
als ich dir noch als breitschultrig erschien?
Als meine innigste Berührung dich erkor
und deiner weichen Wärme Treue schwor?

Nun weht der Wind uns kalt entgegen.
Doch Hand in Hand. Das ist der Segen.
So kommen wir befreit ans Ziel
im viel zu leicht geglaubten Spiel.

 

Tücke des Objekts

Warum der Deckel eines Honigglases nur aus Plastik ist …

Jeder, der Honig liebt, kennt diese Plage. Man kauft sich ein Glas Honig. Bei der Erstöffnung ist noch alles gut. Es gibt noch kein Problem. Der Plastikdeckel lässt sich durch ein leichtes Linksdrehen öffnen, bei dem die den Imker und die Herkunft anzeigende Banderole durchtrennt wird. Aber spätestens nach dem dritten Öffnen klebt kristallisierter Honig am Glasgewinderand und nicht selten auch beidseitig am Deckel fest, und selbst kräftigere Versuche, das Honigglas zu öffnen, enden in der Regel damit, dass einem der ganze Batz an der öffnenden Hand klebt und nur zu einem geringen Teil seinen Weg auf die Buttersemmel oder in die heiße Bronchialteetasse findet. So wird einem nicht selten nach aller Regel der Kunst der Honigeinsatz verhagelt.Das hat unzweifelhaft damit zu tun, dass der Kunststoff des Deckels, der einzusetzenden Öffnungskraft unterlegen ist, sich daher verbiegt und durch die so entstandenen irregulären Öffnungen an verschiedenen Stellen des Glasgewindes zwischen Deckel und Glasrand dem batzigen Honig die Berührung mit der öffnenden Hand ermöglicht.


Eigentlich sollte selbst der schlichteste Imker rein geistig in der Lage sein, diesen Missstand zu antizipieren und Deckel aus kräftigerem Material in den Honighandel zu bringen. Schon der notwendige Respekt den fleißigen Bienen gegenüber sollte es auch dem stumpfsten Pickel aus Eselsdorf als sinnvoll erscheinen lassen, das gesunde Produkt in einer angemessenen Verpackung feilzubieten. Aber diesen Gedanken zu denken, heißt, die Supermarktkettenbetriebswirtschaftsstudierten in diesem circulus vitiosus in ihrer unheilvollen Auswirkung zu übersehen oder nicht richtig einzuschätzen. Diese seltsamen Leute haben nämlich nichts anderes gelernt, als alles immer billiger zu machen, um so die Kosten nicht nur der Honigherstellung so gering wie möglich zu halten. Eigentlich, so sollte man annehmen, eine durchaus sinnstiftende und wenig ehrabschneidende Aufgabe.

Es scheint daher zunächst nicht übermäßig befremdlich, wenn die Betriebswirtschaftsstudierten, andauernd die Imkerzunft auffordern, darüber nachzudenken, wo und was man bei der Honigherstellung einsparen kann. Den Honig kann man nicht einsparen. Und auch das Glas hat sich weitestgehend - da sinnvoll – gegenüber dem von einem Betriebswirtschaftsstudierten geforderten Netz behaupten können. Manchmal machen besonders emsige Betriebswirt-schaftsstudierte Vorschläge, auf die noch nie zuvor jemand gekommen ist. So war z. B. vor Jahren in der Imkereifachpresse darüber zu lesen, dass ein Betriebswirtschaftsstudierter empfohlen hatte, den Honigerzeugern den Lohn zu senken. Erst nach sehr langen, heftig geführten Streitgesprächen mit Imkern ließ sich der Betriebswirtschaftsstudierte davon überzeugen, dass sein Optimierungsvorschlag nicht umzusetzen war, da Bienen ohnehin unentgeltlich ihre Arbeit verrichten. Ob der Betriebswirtschaftsstudierte aus Einsicht oder lediglich auf Grund physischer Ermüdung seinen Vorschlag zurückzog, war nicht zu lesen.


Die Anregung im Deckelbereich des Honigglases Plastik statt ummanteltes Metall einzusetzen, wurde letztendlich nach Kostenermittlungen durch einen Betriebswirtschaftsstudierten umgesetzt. Der Betriebswirtschaftsstudierte dachte natürlich nicht darüber nach, ob er mit seinem Verbilligungsvorschlag auf dem besten Wege war, einen trennenden Keil zwischen dem Honig und seinen Liebhabern zu treiben. Ihm ging es ja nur um die Kosten, und außerdem aß er keinen Honig…